Rapsschwärze
Alternariose du colza, tache grise (franz.); Alternaria blight, black spot, gray leaf spot, pod spot (engl.)
wissenschaftliche Namen: Alternaria brassicae (Berk.) Sacc., A. brassicicola (Schwein.) Wiltshire
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Dothideomycetes, Pleosporomycetidae, Pleosporales, Pleosporaceae
Rapsschwärze wird durch Pilzen der Gattung Alternaria verursacht. Auf Blättern, Stängeln und Schoten entwickeln sich kleine, graubraune Flecken mit konzentrischen Kreisen. Die Schoten können vorzeitig platzen. Um grössere Ertragsverluste zu vermeiden, sollten Rapsstroh und Dreschabfälle sorgfältig untergepflügt werden. Bei starkem Befall empfiehlt sich eine frühe Ernte.
Abb. 1. Rapsschwärze (Alternaria brassicae): dunkle Flecken an Blättern und Schoten
Krankheitsbild
Alle oberirdischen Pflanzenteile können von der Rapschwärze befallen werden (Abb. 1 und 2). Die Blätter bekommen kleine, dunkle Flecken (Durchmesser 1 bis 3 mm), die grösser und braun bis grau werden. Die Flecken sind rund oder, wenn sie von Blattadern begrenzt sind, eckig. Oft haben die Flecken einen gelben Rand. Innerhalb der Flecken sind meist konzentrische Kreise sichtbar, die wie eine Zielscheibe ausehen. Das Zentrum der Flecken ist sehr brüchig, sodass das abgestorbene Gewebe aufreisst. Die Flecken können zusammenfliessen und grössere Teile des Blattes umfassen. Ältere Blätter sind anfälliger als junge.
Später entwickeln sich dunkelbraune bis schwarze, längliche, scharf abgegrenzte Flecken an den Haupt- und Seitenstängeln. Die Schoten werden ebenfalls befallen und können bei wechselhaftem Wetter vorzeitig platzen.
Bei feuchter Witterund entstehen auf befallenem Pflanzengewebe schwärzliche Pilzrasen.
Krankheitserreger
Alternaria brassicae: Die grauen Konidienträger entstehen in Gruppen zu 2 bis 10 Trägern und ragen aus den Spaltöffnungen heraus (Abb. 3). Sie sind bis zu 170 µm lang und 6 bis 11 µm breit (Ellis, 1971). Sie sind septiert, gerade oder gekrümmt und sind an der Basis oft angeschwollen. An den Konidienträgern werden graue bis olivfarbige Sporen (Konidien) gebildet (Abb. 4), die einzeln oder in Ketten von bis zu vier Sporen stehen. Die Konidien sind gerade oder selten leicht gekrümmt, umgekehrt keulenförmig und haben am Konidienende einen langen Schnabel (Abb. 4). Die Konidien besitzen 6 bis 19 querlaufende und 0 bis 8 längslaufende Septen. Sie sind 75 bis 350 µm lang und 20 bis 30 µm dick, wobei der Schnabel ein Drittel bis die Hälfte der Länge ausmacht (Ellis, 1971).
Alternaria brassicicola: Die oliv- bis braunfarbenen Konidienträger ragen einzeln oder in Gruppen von bis zu 12 Trägern aus den Spaltöffnungen. Sie sind deutlich kürzer als die Konidienträger von A. brassicae: bis zu 70 µm lang und 5 bis 8 µm dick (Ellis, 1971). Die Konidien sind in Ketten von bis zu 20 Konidien angeordnet. Sie sind keulenförmig, am Ende leicht zugespitzt (der Schnabel umfasst nur etwa ein Sechstel der Konidienlänge) und sie haben weniger als 6 quer- und bis zu 6 längslaufende Septen. Die Konidien sind 18 bis 130 µm lang und 8 bis 20 µm dick. Sie sind also deutlich kleiner als die Konidien der A. brassicae.
Alternaria spp. bilden keine sexuellen Fortpflanzungsorgane.
Abb. 3. Alternaria brassicae: Konidienträger mit Konidien
Abb. 4. Konidie von Alternaria brassicae, Verursacher der Rapsschwärze.
Lebenszyklus
Beide Alternaria-Arten können saprophytisch auf Pflanzenresten leben und können für sie ungünstige Zeiten überleben. Konidien werden mit dem Wind verbreitet und gelangen auf Wirtspflanzen, wo sie Erstinfektionen auslösen. A. brassicae dringt über Spaltöffnungen in die Pflanze ein, A. brassicicola sowohl über Spaltöffnungen als auch direkt durch die Epidermis (Rimmer et al. 2007). Nach der Infektion besiedelt der Pilz das Pflanzengewebe und bildet schon bald neue Konidien, die mit dem Wind oder Regen verbreitet werden, wo sie weitere Infektionen auslösen. Je älter die Rapspflanzen werden, desto anfälliger sind sie und desto häufiger finden Infektionen auf Blättern, Stängeln und Schoten statt. Das passiert vor allem bei feuchter Witterung.
Epidemiologie
A. brassicicola benötigt grundsätzlich wärmere Temperaturen und braucht länger für die Infektion und die Inkubation (Zeit zwischen Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome) als A. brassicae. A. brassicicola kommt daher haptsächlich in wärmeren Regionen vor. Nach Rimmer et al. (2007) sind folgende Temperaturbereiche optimal für die Sporenkeimung, Auftreten der Symptome beziehungsweise für die Bildung von Sekundärkonidien: A. brassicicola 28-31 °C, 28-31 °C beziehungsweise 19-31 °C; A. brassicae 21-28 °C, 11-23 °C beziehungsweise 11-23 °C.
Steigende Temperaturen und sinkende relative Luftfeuchtigkeit, welche die Pflanzenoberfläche abtrocknen, begünstigen die Bildung von Sekundärkonidien: d.h. Konidien werden vor allem in warmen, trockenen Perioden nach Regenwetter gebildet.
Die Keimung der Konidien und die Infektion der Pflanze erfolgt dagegen erst bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 95 %.
Wirtsspektrum
Alle Kreuzblütler sind mehr oder weniger anfällig für Alternaria: Raps, Kohlarten, Chinakohl etc.
Vorbeugende Massnahmen
- Rapsstroh, Dreschabfälle und alle befallenen Pflanzenreste sorgfältig unterpflügen.
- Eine Fruchtfolge mit mindestens drei Jahren Unterbruch zwischen Rapskulturen wird empfohlen.
- Bei starkem Befall kann eine frühe Ernte grössere Ertragsverluste verhindern.
Literatur
Ellis MB, 1971. Dematiaceus Hyphomycetes. Commenwealth Mycological Institute Kew, Surrey England: 608 p.
Rimmer SR, Shattuck VI, Buchwaldt L, 2007. Compendium of Brassica Diseases. The American Phytopathological Society Press, St. Paul: 117S.