Titelbild Pflanzenkrankheiten - Schädlinge

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge

Falscher Mehltau (Peronospora destructor)
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Falscher Mehltau der Zwiebel

Mildiou de l’oignon (franz.); downy mildew (engl.)

wissenschaftlicher Name: Peronospora destructor (Berk.) Casp. ex Berk.

Synonym: Peronospora schleideni Unger

Taxonomie: Chromista, Peronosporomycetes (früher Oomycota oder Oomycetes), Peronosporales, Peronosporaceae

Der Falsche Mehltau (Peronospora destructor) ist eine gefährliche Zwiebelkrankheit, die den Ertrag und die Qualität der Zwiebeln stark vermindern kann. Die Krankheit tritt vor allem bei lang anhaltender, feuchtwarmer Witterung (unter 22 °C) auf. Die Blattspitzen werden gelb und auf den Zwiebelröhren bilden sich blassgraue Flecken. Bei feuchter Witterung ist auf den Flecken ein grauvioletter Pilzbelag aus Sporangienträgern und Sporangien sichtbar. Dieses typische Schadbild ist vor allem morgens zu beobachten, wenn die Pflanzen noch vom Tau feucht sind. Später fallen die befallenen Röhren zusammen und knicken um. Das Einhalten einer geregelten Fruchtfolge, das Vermeiden des Anbaus von Sommerzwiebeln in der Nähe von Winterzwiebeln und die Verwendung von gesundem Saat- oder Pflanzgut von resistenten oder wenig anfälligen Sorten sind wichtige vorbeugende Bekämpfungsmassnahmen.  

Falscher Mehltau (Peronospora destructor) Zwiebeln
Falscher Mehltau (Peronospora destructor) ZwiebelnAbb. 1. Falscher Mehltau an Zwiebeln (Peronospora destructor)

Abb. 2. Schadbild des Falschen Mehltaus an Zwiebeln (P. destructor)

Schadbild und Schadwirkung

Der Falsche Mehltau beginnt in der Regel an einzelnen Stellen im Feld und breitet sich auf die umliegenden Pflanzen aus (Schwartz et al. 2008). An den Zwiebelröhren bilden sich kleine, unregelmässig geformte, blassgraue Flecken (Läsionen) und die Blattspitzen werden gelb (Abb. 1 und 2). Im weiteren Krankheitsverlauf vergrössern sich die Flecken und verfärben sich zunehmend gelb bis braun. Bei feuchter Witterung ist auf der Oberfläche der Zwiebelröhren ein grauvioletter Pilzbelag sichtbar, der oft konzentrische Zonen aufweist und aus Sporangienträgern und Sporangien besteht. Diese typischen Krankheitssymptome sind am besten in den frühen Morgenstunden zu erkennen, solange noch Tau vorhanden ist (Kühne et al. 2006). Die befallenen Röhren oder Blattspitzen fallen zusammen und knicken oft um.
Auch die Stängel und die Blüten werden befallen, so dass die Krankheit mit dem Saatgut übertragen werden kann.
Der Falsche Mehltau kann sich in der Pflanze ausbreiten (systemische Infektion) und die Zwiebeln befallen. Diese werden bei der Lagerung weich und verfärben sich, einige treiben vorzeitig aus. Pflanzen, die sich aus solchen Zwiebeln entwickeln, sind an ihrem hellgrünen Laub zu erkennen.
Die vom Falschen Mehltau verursachten Blattflecken können von Stemphylium- und Alternaria-Pilzen besiedelt werden, die auffällige dunkelbraune bis schwarze Sporen bilden (Koike et al. 2007; Heller und Rüegg 2010).
Schadwirkung: Bei anhaltend, feuchtwarmer Witterung kann innerhalb von nur vier Krankheitszyklen die gesamte Ernte vollständig vernichtet werden (Koike et al. 2007).

Krankheitserreger

Der Falsche Mehltau der Zwiebel wird durch Peronospora destructor verursacht. Dieser biotrophe Parasit bildet dünnwandige, birnenförmige Sporangien (18-29 x 40-72 µm), die auf Sporangienträgern aus den Spaltöffnungen wachsen (Schwartz et al. 2008) (Abb. 3). Die grauvioletten, nicht septierten Sporangienträger sind zwei- bis sechsmal verzweigt (monopodial), können bis zu 820 µm lang werden und tragen 3 bis 63 Sporangien. Letztere keimen unter Bildung von einem oder zwei Keimschläuchen und bilden in der Wirtspflanze ein nicht septiertes Myzel und Haustorien, die der Nährstoffversorgung des Parasiten dienen.
Im Pflanzengewebe entstehen auch dickwandige, kugelige Oosporen (Dauersporen) mit einem Durchmesser von 40-44 µm. 

Falscher Mehltau (Peronospora destructor) Sporangein
Falscher Mehltau (Peronospora destructor) Sporangienträger und SporangienAbb. 3. Sporangien (oben) und Sporangienträger (unten) des Falschen Mehltaus (Peronospora destructor)

Lebenszyklus und Epidemiologie

Der Falsche Mehltau ist ein biotropher Krankheitserreger, d.h. er benötigt lebendes Pflanzengewebe, um seinen Lebenszyklus zu vollenden. Er überwintert in Form von Oosporen oder als Myzel in Winter- oder Ausfallzwiebeln (Heller und Rüegg 2010). Oosporen können auch in abgestorbenen Pflanzenresten im Boden überleben (Bedlan und Kahrer 2002). Auch eingelagerte, infizierte Zwiebeln können dem Erreger helfen, den Winter zu überdauern. Eine Übertragung des Erregers über das Saatgut ist ebenfalls möglich, wird jedoch im Allgemeinen als unbedeutend angesehen (Koike et al. 2007).
Der Falsche Mehltau bildet sowohl ein ungeschlechtliches (Sporangien) als auch ein geschlechtliches Stadium (Oosporen). Beide Formen gelangen durch Wind und Regenspritzer auf wachsende Zwiebelpflanzen und können diese infizieren.
Um eine Infektion auszulösen, benötigt der Krankheitserreger kühle Bedingungen (unter 22 °C) und das Vorhandensein von freiem Wasser auf der Blattoberfläche oder eine relative Luftfeuchtigkeit von über 95 % (Schwartz et al. 2008). Trockenes, sonniges Wetter (auch nur für wenige Stunden) während des Infektionsprozesses kann die Entwicklung der Krankheit stark behindern. Die optimale Temperatur für die Keimung der Sporangien liegt bei 10-12 °C (Koike et al. 2007). Die Sporen keimen innerhalb von 2 bis 4 Stunden, bilden ein Appressorium und dringen durch die Spaltöffnungen in das Blatt ein. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome) beträgt 8 bis 14 Tage (Crüger et al. 2002). Die Sporangien werden nachts produziert und tagsüber vom Wind verbreitet. Sie können bis zu 3 Tage auf der Blattoberfläche überleben.
Die Oosporen werden im Pflanzengewebe, in den Zwiebeln und Wurzeln gebildet.

Wirtsspektrum

P. destructor befällt wild wachsende und kultivierte Allium-Arten, vor allem Zwiebeln (A. cepa) und Schalotten (A. ascalonicum).
Knoblauch (A. sativum), Lauch (A. porrum) und Schnittlauch (A. schoenoprasum) werden weniger häufig befallen.

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Innerhalb der Fruchtfolge sollte eine Anbaupause von mindestens vier Jahren zwischen Zwiebeln, Lauch und Schnittlauch eingehalten werden (Pflanzenschutzempfehlung für den Biogemüsebau)
  • Zwiebeln nur auf windoffenen Feldern mit gut entwässerten Böden anbauen
  • Gut durchlüftete und nicht zu dichte Bestände anstreben
  • Sommerzwiebeln nicht in der Nähe von Winterzwiebeln anbauen; Saatzwiebeln oder gepflanzte Zwiebeln nicht neben Steckzwiebeln anbauen (Vieweger et al. 2023)
  • Resistente oder tolerante Sorten anbauen (Biogemüse: empfohlene Sorten für die Schweiz oder Pflanzenschutzempfehlung für den Biogemüsebau)
  • Gesundes Saatgut aussäen oder krankheitsfreie Steckzwiebeln/Jungpflanzen pflanzen
  • Am Morgen bewässern: Eine Oberflächen- und Tropfbewässerung sind einer Beregnung vorzuziehen, um ein rasches Abtrocknen der Bestände zu erreichen.
  • Ernterückstände nach der Ernte einarbeiten und Durchwuchs bekämpfen
  • Befallene Winterzwiebeln vor der Frühjahrssaat oder -pflanzung entfernen
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen den Falschen Mehltau der Zwiebel (Peronospora destructor) finden Sie für die Schweiz im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLW; für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel.

Literatur

Bedlan G, Kahrer A, 2002. Wichtige Krankheiten und Schädlinge im Gemüsebau. Verlag Jugend & Volk GmbH, Wien: 248 S.

Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4. Auflage, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart: 318 S.

Heller WE, Rüegg J, 2010. Falscher Mehltau der Zwiebel (Peronospora destructor). Merkblatt, Herausgeber: Extension Gemüsebau, Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, 8820 Wädenswil

Koike ST, Gladders P, Paulus AO, 2007. Vegetable Diseases. A colour Handbook. Manson Publishing Ltd., 448 p.

Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, Stuttgart: 288 S.

Schwartz HF, Mohan SK, 2008. Compendium of Onion and Garlic Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul Minnesota: 127 p.

Vieweger A, Hauenstein S, Koller M, 2023. Pflanzenschutz im Biogemüsebau: Krankheits- und Schädlingsregulierung im Freilandanbau. Merkblatt Nr. 1145, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, CH-5070 Frick: 28 S. (Link)

 

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