Zwiebelrüssler
charançon de l’oignon (franz.); onion weevil (engl.)
wissenschaftlicher Name: Ceutorhynchus suturalis (Fabricius)
Synonym: Oprohinus suturalis (Fabricius)
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Coleoptera, Curculionidae
Die Käfer des Zwiebelrüsslers (Ceutorhynchus suturalis) sind durch ihren weissen Längsstreifen auf dem Rücken deutlich von anderen Rüsselkäfern unterscheidbar. Der Hauptschaden wird durch die Larven verursacht. Sie fressen an der Innenseite der Zwiebelröhren und verursachen einen Fensterfrass, der von aussen gut sichtbar ist. Die Larven verpuppen sich in der Erde. Die erwachsenen Käfer schlüpfen noch im selben Jahr und suchen schon bald die Überwinterungsquartiere (im Boden oder an geschützten Stellen) auf.
Abb. 1. Schadbild des Zwiebelrüsslers (Ceutorhynchus suturalis): Aussenansicht (oben) und Innenansicht (unten) der Zwiebelröhre
Abb. 2. Larve des Zwiebelrüsslers (C. suturalis) im Inneren der Zwiebelröhre mit Frassfenster und schwarzem Kot
Schadbild und Schadwirkung
Im Frühjahr fressen die überwinterten Käfer kleine, runde Löcher in die Zwiebelblätter, die von einem hellen Hof aus abgelöster Blatthaut umgeben sind (Bedlan und Kahrer 2002). Die Frassstellen sind oft in Reihen in regelmässigen kurzen Abständen angeordnet. An diesen Stellen kommt es zu Wachstumshemmungen, so dass die Blätter gekrümmt sind oder sich, ähnlich einem Bischofsstab, einrollen (Bedlan und Kahrer 2002).
Später fressen die Larven der Zwiebelrüssler (meist mehrere pro Blatt) das Blattgewebe im Inneren der Zwiebelröhren, wobei die Blattoberhaut (Kutikula) intakt bleibt (Abb. 1, 2 und 3). Es entstehen typische, längliche Frassfenster, die von aussen gut sichtbar sind.
Mögliche Verwechslungen: Das Schadbild der Käfer kann im Frühjahr mit dem der Zwiebelminierfliege (Liriomyza spp.) verwechselt werden. Ausserdem können die Frassfenster auch von Larven der Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella) verursacht worden sein. Die Frassfenster von Lauchmotten sind meist grösser.
Schadwirkung: Die Frassschäden sind meist unbedeutend. Bei sehr starkem Auftreten im Frühjahr können die Zwiebelrüssler die Entwicklung der Pflanzen beeinträchtigen, die Zwiebelröhren knicken oft ein und sterben ab.
Schaderreger
Der Zwiebelrüssler (Ceutorhynchus suturalis) gehört zur artenreichen Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae). Die Käfer werden bis zu 2.5 mm gross und sind grundsätzlich dunkel gefärbt (Kahrer und Gross 2002) (Abb. 4). Der Kopf trägt einen dünnen, nach unten gebogenen Rüssel, an dem sich gekniete und gekeulte Fühler befinden. Fühler und Beine sind rot bis braun (Spaar et al. 1986). Typisch für den Zwiebelrüssler ist ein weisser Längsstreifen auf dem Rücken (in der Mitte des Halsschildes und entlang der Flügeldeckennaht) (Kahrer und Gross 2002). Damit unterscheidet sich der Zwiebelrüssler deutlich von den anderen Rüsselkäferarten.
Die glasigen Eier sind etwa 0.6 mm lang.
Junge Larven sind nahezu durchsichtig. Ältere Larven sind gelb bis orange gefärbt und haben eine hellbraune Kopfkapsel. Sie werden etwa 7 mm lang (Kahrer und Gross 2002). Im Gegensatz zu den Larven der Lauchmotte (A. assectella) haben die Rüsselkäferlarven keine Beine und sind nicht behaart. Die Rüsselkäferlarven hinterlassen zudem einen schwärzlichen, tropfenförmigen Kot, während die Lauchmottenlarven ihre Kotballen einspinnen (Crüger et al. 2002).
Abb. 4: Ab Ende Juli/Anfang August sitzen die Zwiebelrüssler (C. suturalis) der neuen Generation träge auf den Zwiebelblättern.
Lebenszyklus
Der Zwiebelrüssler überwintert als Käfer im Boden oder an anderen geschützten Stellen (Kahrer und Gross 2002; Gutíerrez 2021). Im Frühjahr erscheinen die Käfer in den Zwiebelbeständen und fressen an den jungen Blättern. Zur Eiablage nagen sie Löcher in die Blätter und legen pro Loch ein Ei ins Blattinnere (Bedlan und Kahrer 2002). Meist finden sich mehrere Larven pro Blatt. Nach dem Schlüpfen fressen die Larven an der Innenwand der Zwiebelröhren und hinterlassen von aussen sichtbare längliche „Frassfenster“. Nach ca. 3 Wochen (Crüger et al. 2002) verlassen die Larven die Blätter und verpuppen sich im Boden in einem Erdkokon. Die Käfer schlüpfen noch im selben Jahr und suchen schon bald die Überwinterungsquartiere auf. Der Zwiebelrüssler bildet nur eine Generation pro Jahr.
Wirtsspektrum
Die Käfer und Larven des Zwiebelrüsslers ernähren sich hauptsächlich von Zwiebeln. Sie können aber grundsätzlich auch andere Allium Arten befallen (Kahrer und Gross 2002).
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
Eine Bekämpfung der Zwiebelrüssler ist in der Regel nicht erforderlich.
- Fördern Sie die Entwicklung der Jungpflanzen.
- Um das Einfliegen der Käfer in die Kulturen zu verhindern, können die Zwiebeln mit einem Vlies abgedeckt werden (Kahrer und Gross 2002).
Literatur
Bedlan G, Kahrer A, 2002. Wichtige Krankheiten und Schädlinge im Gemüsebau. Verlag Jugend & Volk GmbH, Wien: 248 S.
Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4. Auflage, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart: 318 S.
Gutíerrez NL, 2021. Krankheiten und Schädlinge in Zwiebelgemüse. Herausgeber: Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Bernburg (Deutschland)
Kahrer A, Gross M, 2002. Gemüseschädlinge. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf: 205 S.
Spaar D, Kleinhempel H, Fritzsche R, 1986. Diagnose von Krankheiten und Beschädigungen an Kulturpflanzen: Gemüse. Springer Verlag: 406 S.