Kartoffelschorf

gale commune (franz.); common scab (engl.)

wissenschaftlicher Name: Streptomyces scabies (Taxt.) Waksman et Henrici, und andere Streptomyces-Arten
Synonym: Streptomyces scabiei

Taxonomie: Bacteria, Actinobacteria, Actinomycetales, Streptomycineae, Streptomycetaceae

Kartoffelschorf ist eine von Bakterien (Streptomyces spp.) verursachte Krankheit der Kartoffelknolle. Kartoffelschorf kann in allen Kartoffelanbaugebieten auftreten. In leichten Böden und nach Trockenheit während des Knollenansatzes können grössere Schäden entstehen. Starker Schorfbefall mindert den Marktwert von Speisekartoffeln erheblich und führt zu erhöhten Schäl- und Gewichtsverlusten. Der Geschmack wird jedoch nicht beeinflusst. Die Auswirkungen eines Befalls auf den Ertrag sind gering. Die Wahl von widerstandsfähigen Sorten, eine gesunde Fruchtfolge und eine gleichmässige Feuchtigkeit des Bodens bei einsetzender Knollenbildung bewirken eine Reduzierung des Befalls mit Kartoffelschorf.

Kartoffelschorf (Streptomyces spp.) an Kartoffelknollen

Kartoffelschorf (Streptomyces spp.) an Kartoffelknollen
Abb. 1. Verschiedene Ausprägungen des Kartoffelschorfes (Streptomyces spp.)

Krankheitsbild

Die Krankheit Kartoffelschorf äussert sich gewöhnlich nur an den Knollen, ausnahmsweise auch an den Stolonen. Unter Schorf versteht man unregelmässig verteilte, braune, rissige und verkorkte Flecken an der Knollenoberfläche. Man unterscheidet folgende Ausprägungen der Krankheit:

Ein flächiger Befall mit netzartigen Rissen wird Netzschorf genannt (Abb. 2). Diese Symptome kommen bei einigen Sorten vermehrt vor.

Abb. 2. Netzschorf: flächiger Befall mit netzartigen Rissen

Bei Flachschorf ist nur das äusserste Gewebe abgestorben (Abb. 3). Auf der Kartoffelschale sind flache, pustelartige Befallsstellen mit rauer und borkiger Oberfläche sichtbar. Sie sind ungleichmäßig auf der Knollenoberfläche verteilt.

Abb. 3. Flachschorf: An der Schale sind flache, pustelartige Befallsstellen mit rauer und borkiger Oberfläche sichtbar.

Dringt das schorfige Gewebe tiefer ein, so handelt es sich um Tiefschorf (Abb. 4). Es entstehen wenige Millimeter tiefe, furchige Narben mit aufgeworfenen Rändern.

Abb. 4. Tiefschorf: Das Knollengewebe ist kraterförmig in die Knolle eingesunken.

Der Buckelschorf entsteht durch die Bildung von neuem Gewebe unter den Schadstellen, dadurch wird die pustelartige Befallsstelle angehoben (Abb. 5).

Abb. 5. Buckelschorf: Die pustelartige Befallsstelle wird angehoben.

Die verschiedenen Schorfformen werden nicht von verschiedenen Krankheitserregern verursacht, sondern entstehen je nach Aggressivität des Erregers, Resistenzeigenschaften der Wirtspflanze, Zeitpunkt der Infektion, Schnelligkeit der Wundkorkbildung und Umweltbedingungen. Zwischen den Einzelformen sind alle Übergänge möglich.

Verwechslungsmöglichkeiten: Tiefschorf kann leicht mit Pulverschorf (Spongospora subterranea) verwechselt werden. Bei Pulverschorf sind die Pusteln mit braunem Sporenpulver (Sporenballen) gefüllt.

Krankheitserreger

Kartoffelschorf wird von verschiedenen Arten der Gattung Streptomyces verursacht. Streptomyces ist eine sehr artenreiche Gattung von Aktinobakterien. Die Arten dieser Gattung sind grampositiv, aerob, bilden ein fadenförmiges Myzel, sind mehrzellig, bilden Sporen und haben in der DNA einen hohen GC-Gehalt (Guanin und Cytosin) (www.wikipedia.org). Sie kommen hauptsächlich in Böden vor. Der Name „Strahlenpilz“ist eine veraltete Bezeichnung der Aktinobakterien.
Kartoffelschorf verursachende Streptomyces Arten produzieren das Pflanzengift Thaxtomin, das an der Entwicklung der Krankheitssymptome beteiligt ist.

Lebenszyklus und Epidemiologie

Der Erreger des Kartoffelschorfs ist ein Bakterium, das in den meisten Böden vorkommt. Das Bakterium kann auch mit Pflanzgut übertragen werden, was aber eher von untergeordneter Bedeutung ist, da es in allen Anbaugebieten weit verbreitet ist. Der Kartoffelschorf-Erreger braucht Sauerstoff um zu überleben und ist deshalb auf leichten, sandigen Böden häufiger anzutreffen als auf schweren, schlecht durchlüfteten. Er bevorzugt zudem basische Böden. In einem biologisch aktiven Boden wird der Erreger durch andere Mikroorganismen stark konkurrenziert.
Die Bakterien infizieren die jungen Knollen über Wunden, Atemöffnungen (Lentizellen) oder durch die unverletzte Schale. Hohe Temperaturen und Trockenheit während des Knollenansatzes begünstigen den Befall. Junges, wachsendes Gewebe bis zu einer Knollengrösse von 2 cm ist besonders anfällig (Radtke und Rieckmann 1990). Nach Abschluss der Knollenbildung breitet sich die Krankheit nicht mehr weiter aus, auch kommt es zu keinem Neubefall.

Wirtsspektrum

Streptomyces scabies schädigt ausser Kartoffeln (Solanum tuberosum) unter anderem auch Zucker- und Futterrüben (Beta vulgaris), Radieschen (Raphanus sativus), Speiserüben (Brassica rapa), Karotten (Daucus carota), Pastinaken (Pastinaca sativa) (Radtke und Rieckmann 1990).

Bekämpfung

  • In Böden, die das Auftreten des Kartoffelschorfs begünstigen, sollten widerstandfähige Sorten angebaut werden. Die Anfälligkeit der Sorten für Schorf ist in der Schweizer Sortenliste für Kartoffeln, für Deutschland in der Sortenliste des Bundessortenamtes und in der Österreichischen beschreibenden Sortenliste angegeben.
  • Eine geregelte Fruchtfolge auf gefährdeten Böden mindert das Befallsrisiko. Vorsicht nach Zuckerrüben und mehrjährigen Kunstwiesen (Häni et al. 2008). 
  • Eine Gründüngung oder Stallmist fördert im Boden lebende Antagonisten (Bacillus subtilis). Dies führt zu einer Befallsreduktion (Kühne et al. 2006).
  • Physiologisch saure Dünger verwenden und Aufkalkung im Jahr vor dem Kartoffelanbau vermeiden
  • Künstliche Bewässerung bei Trockenheit zur Zeit des Knollenansatzes: Sauerstoff wird durch das Beregnungswasser aus dem Dammbereich verdrängt.

Literatur

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A und Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.

Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, Stuttgart: 288 S. 

Radtke W, Rieckmann W, 1990. Krankheiten und Schädlinge der Kartoffel. Verlag Th. Mann, Gelsenkirchen-Buer, 167 S.

Stevenson WR, Loria R, Franc GD, WeingartnerDP, 2001. Compendium of Potato Diseases, second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul: 106 S.

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