Rapserdfloh

altise du colza (franz.); cabbage stem flea beetle (engl.)

wissenschaftlicher Name: Psylliodes chrysocephala L.

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Coleoptera, Polyphaga, Chrysomelidae

Rapserdflöhe (Psylliodes chrysocephala) verursachen typische Frassschäden an den jungen Blättern der Rapspflanzen. Den Hauptschaden verursachen jedoch die Larven, welche die Blatttriebe minieren. Sie können bis zum Vegetationspunkt vordringen und ihn zerstören. Ab 2014 ist in der EU und in der Schweiz die Saatgutbeizung von Raps mit Neonicotinoiden verboten. Damit entfällt eine wichtige Pflanzenschutzmassnahme gegen den Rapserdfloh.

Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala)
Abb. 1. Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala)

Abb. 2. Schadsymptome des Rapserdflohs (Psylliodes chrysocephala)

Schadbild

Im Herbst verursachen die Käfer (Abb. 1) kleine, runde Löcher oder Schabstellen an den Keimblättern und Blättern der jungen Pflanzen (Abb. 2). Oft bleibt die obere oder untere Blatthaut erhalten (Fensterfrass). Im Winter und im Frühjahr fressen die Larven in den Blattstielen (Minierfrass) und dringen bis in den Haupttrieb vor. Die Blattstiele weisen Ein- und Ausbohrlöcher auf. Stark durch Minierfrass ausgehöhlte Triebe können durch Frosteinwirkung aufplatzen und auswintern. Das Wachstum ist im Frühjahr stark gehemmt.

Verwechslungsmöglichkeiten

Neben dem Rapserdfloh kommen weitere Arten von Erdflöhen an Raps vor: zum Beispiel der gestreifte Kohlerdfloh (Phyllotreta undulata). Seine Larven sind allerdings für den Raps nicht schädlich (Häni et al. 2008).

Schädling

Die Käfer sind 3 bis 4.5 mm gross und metallisch blauschwarz glänzend (Paul 1992) (Abb. 1). Typisch für den Käfer ist dessen Sprungfähigkeit, dank seiner verdickten Oberschenkel des hinteren Beinpaares.
Die schmutzig weisse Larve wird bis zu 7 mm lang, hat einen dunkelbraunen Kopf und drei Beinpaare (Abb. 3). Auf der Hinterleibplatte der Larve befinden sich zwei kleine Dornen.

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Abb. 3. Larven des Rapserdflohs (Psylliodes chrysocephala): gehemmtes Wachstum einer Rapspflanze, Ein- und Ausbohrlöcher der Larven, Minierfrass im Blattstiel, Larven mit drei Beinpaaren und Hinterleibplatte mit zwei Dornen

Lebenszyklus

Im Mai und Juni verpuppen sich die ausgewachsenen Larven im Boden. Die Jungkäfer schlüpfen von Ende Juni bis Juli in den reifenden Rapsfeldern und fressen an Stängeln und Schoten. Später suchen sie zur Überbrückung des Sommers feuchte und kühle Plätze auf, zum Beispiel Waldränder oder Hecken. Im September fliegen die Käfer die Raps-Wintersaat an und fressen an den Keimblättern und den jungen Blättern (Reifungsfrass). Etwa 10 bis 15 Tage später legen die Weibchen die Eier 1 bis 2 cm tief in den Boden neben die Rapspflanzen. Die Eiablage kann bis zum Frühjahr andauern. Die ersten Larven schlüpfen bereits im September und bohren sich in die Blattstiele der äusseren Rapsblätter ein. Dort verursachen sie braune Frassgänge (Minierfrass). Grössere Larven wandern von den Blattstielen in den Stängel. Befinden sich die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt noch im Rosettenstadium (Herbst bis Frühjahr), so können die Larven sehr einfach den Vegetationspunkt erreichen. Dies führt zu einer Behinderung des Wachstums im Frühjahr oder sogar zu einem Totalausfall. Sobald die Rapspflanzen in die Schossphase wechseln, kann die Larve den Vegetationspunkt nicht mehr erreichen. Der Erdfloh entwickelt nur eine Generation pro Jahr.

Epidemiologie

Mildes Wetter im Herbst und Winter begünstigt den Befall.

Wirtsspektrum

Winterraps, Rübsen, Kohlarten und überwinternde kreuzblütige Unkräuter (Ackersenf, Hirtentäschelkraut, Hederich)

Bekämpfung

Vorbeugende Massnahmen sind:

  • Eine weite Fruchtfolge einhalten
  • Neue Rapsparzelle möglichst weit entfernt von der letztjährigen Rapskultur planen
  • Bekämpfung von kreuzblütigen Unkräutern
  • Natürliche Feinde fördern (zum Beispiel Schlupfwespen)
  • Mulchsaat hemmt die Besiedelung und Eiablage
  • Frohwüchsige Rapssorten wählen
  • Eine sorgfältige Saatbeetvorbereitung, eine rechtzeitige, nicht zu dichte Saat und eine ausgeglichene Düngung fördern ein rasches Auflaufen sowie die Jugendentwicklung der Rapspflanzen. Dadurch werden Schäden durch Käferfrass vermindert.

Direkte Bekämpfung:

  • In der Europäischen Union und in der Schweiz darf Rapssaatgut nicht mehr mit Neonicotinoiden gebeizt werden. Betroffen sind die Wirkstoffe Imidacloprid (Gaucho), Clothianidin (Poncho) und Thiametoxam (Cruiser). Das Verbot gilt ab 2014 für mindestens 2 Jahre.
  • Einsatz von Pyrethroiden gegen die Käfer: Die Bekämpfungsschwelle ist erreicht, wenn 50 bis 100 % der Pflanzen im Keimblattstadium mehrere Frassstellen aufweisen. Neben den Käfern können auch die Larven des Rapserdflohs mit Insektiziden aus der Gruppe der Pyrethroiden bekämpft werden. Die Larven bohren sich während ihrer Entwicklungszeit mehrmals aus den Blattstielen aus und nehmen dabei den Wirkstoff auf. Larven des dritten Entwicklungsstadiums sind allerdings nicht mehr bekämpfbar.

Literatur

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A und Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.

Paul V, 1992. Krankheiten und Schädlinge des Rapses. Verlag Th. Mann 2. Auflage: 132 S.