Pflaumen- oder Zwetschgenrost

rouille du prunier (franz.); plum rust (engl.)

wissenschaftliche Namen: Tranzschelia pruni-spinosae (Pers.) Diet. und T. discolor (Fuckel) Tranzschel & Litv)

Taxonomie: Fungi, Basidiomycota, Pucciniomycetes, Incertae sedis, Pucciniales, Uropyxidaceae

Rost an Steinobst wird von Tranzschelia pruni-spinosae und T. discolor verursacht. Beide Pilze sind wirtswechselnde Rostpilze, mit Steinobst als Hauptwirt und Anemonen als Zwischenwirt. Der Wirtswechsel ist nicht obligatorisch. Die Rostpilze können auch als Uredospore oder als Myzel in Zweigen überwintern. In feuchten Sommern erscheinen die ersten Symptome: kleine gelbe Flecken auf der Blattoberseite und orange-braune, später schwarze Sporenlager auf der Blattunterseite. Ein starker Befall schwächt die Bäume und die Fruchtreife wird bei späten Sorten ungünstig beeinflusst.

Pflaumenrost (Tranzschelia pruni-spinosae)Abb. 1. Pflaumenrost (Tranzschelia sp.)

Abb. 2. Pflaumenrost (Tranzschelia sp.)

Krankheitsbild

An der Blattoberseite erscheinen im Juli und August kleine, gelbliche, später bräunlich werdende Flecken. An der Blattunterseite befinden sich zunächst orange-braune Sommersporenlager (Uredosporen), später Pusteln mit schwarzen Wintersporen (Teleutosporen). Bei starkem Befall vergilben die Blätter und es kommt zu einem frühzeitigen Blattfall.
Zweiginfektionen sind unauffällig und verursachen keinen Schaden. Sie können aber bei der Überwinterung des Pilzes eine wichtige Rolle spielen.

Pathogen

Rost an Steinobst (Prunus sp.) wird von zwei unterschiedlichen Pilzen verursacht: Tranzschelia pruni-spinosae und T. discolor. Die beiden Arten können anhand der Teleutosporen unterschieden werden (Abb. 3):
Die beiden Zellen der Teleutosporen von T. pruni-spinosae (18-27 x 30 - 39 µm) sind kugelig, gleich gross und gleichmässig mit langen Stachelwarzen besetzt. Die Zellwand ist gleichmässig dick.
Die Teleutosporen von T. discolor haben hingegen ungleich geformte Zellen. Die oberen Zellen sind kugelig, sind dicht mit Stachelwarzen besetzt und die Zellwand ist am Scheitel verdickt. Die Basalzellen sind eiförmig, heller und haben wenige oder keine Stachelwarzen. Zudem sind die Teleutosporen etwas kleiner als diejenigen der T. pruni-spinosae: 15-23 x 26-39 µm. In Nordamerika kommt auf kultivierten Prunus-Arten fast ausschliesslich diese Art vor.
Die Teleutosporen aller Tranzschelia Arten sind in der Mitte tief eingeschnürt und fallen leicht auseinander. Sie entsprechen nach Gäumann (1959) nicht einer zweizelligen Teleutospore sondern einer Kette aus zwei einzelligen Teleutosporen.
Die Uredosporen sind bei beiden Arten gleich. Sie sind 18-42 x 12-23 µm gross (Gäumann 1959), sind ei- oder birnförmig bis kugelig und die Wand am Scheitel ist verdickt. Zwischen den Uredosporen wachsen zahlreiche hellbraune dickwandige Paraphysen mit rundlichem Kopf.
Die schwarz-braunen Spermogonien befinden sich auf beiden Blattseiten des Zwischenwirtes (Anemonen). Die Aecidien werden auf der Blattunterseite gebildet. Die rundlichen Aecidiosporen (16-26 x 15-26 µm) sind auf der Oberfläche gleichmässig sehr fein und dicht warzig.

Abb. 3. Uredo- und Teleutosporen der Tranzschelia pruni-spinosae und T. discolor

Lebenszyklus

Der Pflaumenrost (T. pruni-spinosae und T discolor) ist ein wirtswechselnder Rostpilz. Im Mai bildet er Spermogonien und Aecidien auf Blättern von Anemonen. Die in den Aecidien gebildeten Aecidiosporen infizieren verschiedene Prunus-Arten. Dort werden vorerst braune Sommersporen (Uredosporen) gebildet, welche die Krankheit während des Sommers verbreiten. Im Herbst entstehen auf denselben Blättern schwarze Wintersporen (Teleutosporen). Diese überwintern auf den abgefallenen Blättern auf dem Boden und keimen mit Basidiosporen. Letztere infizieren erneut den Zwischenwirt (verschiedene Arten von Anemonen).
Gäumann (1959) vermutet, dass die Infektion durch die Basidiosporen zwischen Herbst und Frühjahr an den unterirdischen Knospen der Anemonen stattfindet. Das Myzel des Rostpilzes überdauert in den Rhizomen des Zwischenwirtes. Das heisst: befallene Anemonen können auch ohne Neuinfektion durch Basidiosporen Jahr für Jahr Aecidien mit Aecidiosporen bilden.
Der Pflaumenrost ist nicht streng an einen Wirtswechsel gebunden, er vermag auch mit Hilfe von Sommersporen oder als Myzel an Zweigen zu überwintern (Ogawa et al. 1995).

Epidemiologie

Der Pflaumenrost tritt vor allem in feuchten Sommern auf. Die Uredosporen keimen über einen weiten Temperaturbereich (8-38 °C, Ogawa et al. 1995). Der kritische Faktor für eine erfolgreiche Infektion ist die Feuchtigkeit. Bei 20 °C genügt eine Nässeperiode von 18 Stunden um eine starke Blattinfektion auszulösen. Sieben bis zehn Tage nach dem Eindringen des Rostpilzes ins Blatt erscheinen die ersten Krankheitssymptome.

Wirtsspektrum

Tranzschelia pruni-spinosa befällt neben Pflaumen und Zwetschgen (Prunus domestica) auch Pfirsich (P. persica), Aprikosen (P. armeniaca), Mandelbaum (P. dulcis) und Schwarzdorn (P. spinosa).
Als Zwischenwirt wurden nach Gäumann (1959) das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides), die Kronen-Anemonen (A. coronaria), das Leberblümchen (Hepatica nobilis) und andere Arten der Familie Ranunculaceae experimentell nachgewiesen.

Bekämpfung

  • Wenig anfällige Zwetschgen- und Pflaumensorten wählen: Bühler, Zimmers, Mirabelle de Nancy sind wenig anfällig. Mittel bis stark anfällig sind: Hauszwetschge, Ersinger Frühzwetschge, Fellenberg, Grosse grüne Reineclaude (Siegfried und Bolay 1991).
  • Der Pflaumenrost kann während eines feuchten Sommers ab Mitte Juni, sobald auf der Blattoberseite die ersten Symptome sichtbar werden, mit Fungiziden bekämpft werden (Naef et al. 2018).
  • Empfohlene und zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen den Pflaumenrost finden sie für die Schweiz unter Agroscope und BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis (Bundesamt für Landwirtschaft); für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit).

Literatur

Gäumann E, 1959. Beiträge zur Kryptogamenflora der Schweiz (Band XII): Die Rostpilze Mitteleuropas, Büchler und Co. 1407 S.

Naef A, Kuske S, Holliger E, Kuster T, Perren S, Zwahlen D, Werthmüller J, Bünter M, Linder C, Kehrli P, Dubuis PH, Bohren C, Christen D, 2018. Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau 2018/2019. Agroscope Transfer, Nr. 210/Januar 2018: 68 S.

Ogawa JM, Zehr EI, Bird GW, Ritchie DF, Uriu K, Uyemoto JK (editors), 1995. Compendium of stone fruit diseases. St. Paul, American Phytopathological Society: 98 S.

Siegfried W, Bolay A, 1991. Zwetschgenrost und Bleiglanz. Landwirtschaft Schweiz, Nr. 1-2.