Grüne (kleine) und grosse Zwetschgenblattlaus

Grüne oder kleine Zwetschgenblattlaus (Pflaumenblattlaus):
Brachycaudus helichrysi Kalt. (wissenschaftlicher Name); puceron vert du prunier (franz.); leaf-curling plum aphid (engl.)

Grosse Zwetschgenblattlaus (Pflaumenblattlaus):
Brachycaudus cardui L. (wissenschaftlicher Name); puceron de l'artichaut (franz.); thistle aphid (engl.)

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Pterygota, Hemiptera, Sternorrhyncha, Aphididae

Die grüne (Brachycaudus helichrysi) und die grosse (B. cardui) Zwetschgenblattlaus befallen als Hauptwirt Zwetschgen und Pflaumen (Prunus domestica) und weitere Prunus-Arten. Die Blattläuse erscheinen schon vor dem Austrieb der Zwetschgen/Pflaumen und saugen zuerst an der Basis der Knospen, später an der Unterseite der sich entwickelnden jungen Blätter. Diese beginnen sich zu kräuseln und einzurollen. Die grüne Zwetschgenblattlaus ist zudem ein Überträger der Sharka- oder Pockenkrankheit (plum pox virus). Ab Mai verlassen die geflügelten Läuse die Zwetschgen und besiedeln die Nebenwirte aus den Familien der Korbblütler (Asteraceae) und der Borretschgewächse (Boraginaceae). Ab September kehren sie wieder zum Hauptwirt zurück und legen dort glänzend schwarze Eier ab.

Zwetschgen/Pflaumenblattlaus (Brachycaudus helichrysi)Abb. 1. Symptome eines Befalls durch die Zwetschgen- oder Pflaumenblattlaus (Brachycaudus helichrysi und B. cardui)

Abb. 2. Zwetschgen- oder Pflaumenblattlaus (Brachycaudus helichrysi und B. cardui): Blätter sind gekräuselt und eng eingerollt, die Blattläuse verlassen die Zwetschgen- / Pflaumenbäume sehr früh.

Schaden

Die grüne wie auch die grosse Zwetschgenblattlaus rufen am Hauptwirt eine Kräuselung und ein enges Einrollen der Blätter hervor. Die jungen Triebe sind verkrüppelt. Bereits wenige Blattläuse können diese Symptome auslösen. Die Läuse saugen an der Blattunterseite, meist an den saftigen Zweigspitzen. Die Symptome erscheinen bereits während der Blüte und sind den ganzen Sommer über sichtbar, obwohl die Blattläuse längst auf den Zwischenwirt abgewandert sind. Die grüne Zwetschgenblattlaus (B. helichrysi) kann das Virus der Sharka- oder Pockenkrankheit (plum pox virus), das Gurkenmosaik-Virus (cucumber mosaic virus) und weitere Mosaik-Viren übertragen (Lampel und Meier 2007). Die grosse Zwetschgenblattlaus (B. cardui) überträgt das Gurkenmosaik-Virus.

Schädling

Die grüne oder kleine Zwetschgenblattlaus (B. helichrysi) ist gelblich-grün bis bräunlich gefärbt, hat eine rundliche Form und wird bis 2 mm gross. Die Fühler sind kurz, etwa halb so lang wie der Körper. Die Hinterleibsröhren (Siphonen) sind ebenfalls kurz. Die Eier sind glänzend schwarz.
Die grosse Zwetschgenblattlaus ist (wie der Name schon sagt) etwas grösser: 2.5 mm. Sie ist hell- bis rötlichgrün gefärbt und hat eine grosse dunkle Platte auf dem Hinterleib.
Nach Lampel und Meier (2007) kommen noch weitere Blattläuse an Zwetschgen und Pflaumen vor: B. lateralis Walk., Hyaloptrerus pruni Geoffr. (mehlige Zwetschgenblattlaus), Myzus ornatus Laing, M. persicae Sulz. (grüne Pfirsichblattlaus), Phorodon humuli Schrk. (Hopfenblattlaus) und Rhopalosiphum padi L. (Hafer- oder Traubenkirschenblattlaus).

Lebenszyklus

Beide Zwetschgenblattlausarten sind wirtswechselnd und haben einen vollständigen Entwicklungszyklus: Prunus-Arten sind die Hauptwirte, Korbblütler (Asteraceae) und Borretschgewächse (Boraginaceae) sind die Nebenwirte (Lampel und Meier 2007).
Die ersten Stammmütter (Fundatrix) der grünen Zwetschgenblattlaus erscheinen bereits vor dem Austrieb im März. Diese gebären ungeflügelte Nachkommen (erste Generation). Bereits die zweite Generation besteht aber fast ausschliesslich aus geflügelten Läusen, die spätestens Ende Mai auf die Nebenwirte abwandern. Dort entwickeln sich einige Generationen ungeflügelter und geflügelter Blattläuse (Exsules). Von September bis Anfang November erfolgt der Rückflug von geflügelten Weibchen (Gynoparae) an die Hauptwirte. Diese gebären dort die Generation der eierlegenden Weibchen (Oviparae), die von den ebenfalls vom Nebenwirt zufliegenden Männchen begattet werden, bevor sie die Eier an die Zweige in Knospennähe ablegen. Die Fundatrix-Junglarven schlüpfen oft bereits im November bis Dezember aus den Eiern und überwintern auf dem Hauptwirt. Die Überwinterung im Eistadium kommt ebenfalls vor (Lampel und Meier 2007).
Der Lebenszyklus der grossen Zwetschgenblattlaus ist demjenigen der grünen Zwetschgenblattlaus sehr ähnlich. Mit dem Unterschied, dass die ausgewachsenen Stammmütter später, erst Anfang Mai, erscheinen und auf dem Hauptwirt 2 bis 4 Generationen von Nachkommen gebildet werden. Die erste Generation besteht nur aus ungeflügelten, die letzte nur aus geflügelten Blattläusen, die auf die Nebenwirte überfliegen. Dieser Überflug findet in der Schweiz zwischen Mai und Mitte Juli statt (Lampel und Meier 2007).

Wirtsspektrum

Die grüne (B. helichrysi) und die grosse (B. cardui) Zwetschgenblattlaus befallen als Hauptwirt Zwetschgen und Pflaumen (Prunus domestica) und weitere Prunus-Arten. Als Nebenwirt werden im Sommer Arten der Korbblütler (Asteraceae) und Borretschgewächse (Boraginaceae) besiedelt.

Bekämpfung

  • Blattlausräuber und –parasiten fördern oder schonen, zum Beispiel durch Anlegen von Blühstreifen
  • Mit Blattläusen befallene Triebe entfernen
  • Nach Naef et al. 2018 liegt die Schadenschwelle zu Beginn der Blüte bei 2-5 % befallenen Blattknospen und nach der Blüte bei 3-10 % befallenen Trieben (Probengrösse = 100)
  • Spritzen mit einer Schmierseifenlösung (1.5 bis 3 % in heissem Wasser auflösen)
  • Das FiBL (2009) empfiehlt eine Austriebsspritzung mit Mineralöl (2%) allein oder kombiniert mit Pyrethrum (0.05 %). Das Pyrethrum kann auch separat nach der Mineralölbehandlung aber vor der Blüte und vor dem Einrollen der Blätter gespritzt werden. Nach dem Einrollen der Blätter sind die Blattläuse vor den Pflanzenschutzmitteln geschützt.
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Zwetschgenblattläuse finden sie für die Schweiz unter Agroscope und BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis; für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel

Literatur

Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), 2009. Merkblatt Pflanzenschutz im Biosteinobstanbau (pdf)

Lampel G, Meier W, 2007. Hemiptera: Sternorrhyncha – Aphidina, Teil 2: Aphididae. Fauna Helvetica 16 , Schweizerische Entomologische Gesellschaft. 523 S.

Naef A, Kuske S, Holliger E, Kuster T, Perren S, Zwahlen D, Werthmüller J, Bünter M, Linder C, Kehrli P, Dubuis PH, Bohren C, Christen D, 2018. Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau 2018/2019. Agroscope Transfer, Nr. 210/Januar 2018: 68 S.