Schrotschusskrankheit

maladie criblée (franz.); shot hole (engl.)

wissenschaftlicher Name: Stigmina carpophila (Lév.) M.B. Ellis

Synonyme: Clasterosporium carpophilum (Lév.) Aderh., Wilsonomyces carpophilus (Lév.) Adask., J.M. Ogawa & E.E. Butler, Coryneum beyerinckii Oudem.,

Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Dothideomycetidae, Mycosphaerellales, Mycosphaerellaceae

Stigmina carpophila (früher Clasterosporium carpophilum) ist der Erreger der Schrotschusskrankheit. Der Pilz befällt Knospen, Blätter, Früchte und Triebe von Steinobst. An den Blättern entstehen runde, rötliche Flecken, die mit der Zeit herausfallen, so dass die befallenen Blätter durchlöchert aussehen. Bei starkem Befall kommt es zu frühzeitigem Blattfall. Während des Austriebs bis nach der Blüte kann der Pilz direkt bekämpft werden.

Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila) an KirschenAbb. 1 Schrotschusskrankheit, verursacht durch Stigmina carpophila

Abb. 2 Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila)

Krankheitsbild

Der Erreger der Schrotschusskrankheit befällt Knospen, Blätter, Früchte und Triebe von Steinobst (Abb. 1 und 2). An den Blättern werden kreisrunde, anfangs rötliche, später braune, rot umrandete Flecken sichtbar, die nach einiger Zeit herausfallen. Die betroffenen Blätter sehen durchlöchert aus, wie mit Schrot durchschossen. Die Blätter fallen vorzeitig ab, besonders im unteren Teil der Baumkrone. An den jungen Früchten entstehen eingesunkene, dunkelbraune, oft rot umrandete Flecken. Die Früchte fallen ebenfalls früh ab, zeigen Verkrüppelungen, vertrocknen oder bleiben als Mumien bis ins Frühjahr am Baum hängen. Befallene Triebe zeigen braune, eingesunkene Flecken, auf denen häufig Gummitropfen austreten.

Pathogen

Die Konidien wachsen auf Konidienträgern in punktförmigen Sporenlagern (Sporodochien). Die dickwandigen Konidien sind keulen- oder spindelförmig, sind 25-95 µm lang und 9-18 µm dick (Ellis 1971). Sie haben 2-11 (meistens 3-7) dunkle Quersepten sowie gelegentlich 1-2 längs oder schräg verlaufende Septen.
Eine Hauptfruchtform (sexuelle Fortpflanzung) ist bis heute nicht bekannt.

Lebenszyklus

Der Pilz Stigmina carpophila überwintert auf den im Sommer erkrankten, abgefallenen Blättern sowie auf Trieben, Knospen und Fruchtmumien. Im Frühjahr werden Sporen gebildet, die mit Regen und Wind im Bestand verbreitet werden. Die Konidie dringt mit ihrem Keimschlauch in junges Blattgewebe, in junge Früchte oder junge Triebe ein. Der Pilz breitet sich aus, doch schon bald setzt eine Abwehrreaktion der Pflanze ein und das befallene Gewebe wird abgestossen. Stark infizierte Kirschen trocknen ein und bleiben als Mumien am Baum hängen. Ältere Blätter werden nicht infiziert.
Die Schrotschusskrankheit wird durch ein niederschlagsreiches, feuchtes Frühjahr gefördert.

Wirtsspektrum

Alle Steinobstarten sind mögliche Wirtspflanzen von S. carpophila: Kirschen, Aprikosen, Pfirsich, Pflaumen. Andere Prunus-Arten wie zum Beispiel Kirschlorbeer zählen ebenfalls zu den Wirtspflanzen.

Bekämpfung

  • Standortwahl: Sonnige gut durchlüftete Standorte wählen
  • Ein Witterungsschutz kann die Schrotschutzkrankheit eindämmen.
  • Rückschnitt der befallenen Triebe und entfernen der Fruchtmumien
  • Eine lockere Baumkrone führt zu einer rascheren Abtrocknung der Blätter und damit zur Eindämmung der Krankheit.
  • Eine direkte Bekämpfung muss während des Austriebs bis nach der Blüte erfolgen: Eine Spritzung mit Kupfer- oder Tonerde-Präparaten in Kombination mit Schwefel ist im Bio-Landbau / ökologischen Landbau erlaubt (FiBL, 2009).
  • Empfohlene und zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen die Schrotschusskrankheit finden sie für die Schweiz unter Agroscope und im BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis (Bundesamt für Landwirtschaft); für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit).

Literatur

Ellis MB, 1971. Dematiaceus Hyphomycetes. Commenwealth Mycological Institute Kew, Surrey England: 608 p.

FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), 2009. Merkblatt Pflanzenschutz im Biosteinobstanbau (link)