Sprühfleckenkrankheit

cylindrosporiose du cerisier (franz.); cherry leaf spot (engl.)

wissenschaftlicher Name: Blumeriella jaapii (Rehm) Arx (teleomorphe Form)
Synonyme: Coccomyces hiemalis Higgins (teleomorphe Form), Cylindrosporium padi (Lib.) Karst. (anamorphe Form), Phloeosporella padi (Lib.) Arx (anamorphe Form)

Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Dermateaceae

Die Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) kommt vor allem in Baumschulen vor, kann aber auch Ertragsbäume stark schädigen. Dieser Pilz verursacht an der Blattoberseite rot-violette, unscharf begrenzte Flecken. Stark befallene Blätter fallen frühzeitig ab. Bezüglich der Anfälligkeit gibt es grosse Sortenunterschiede.

 Sprühflecken an Kirschen (Blumeriella jaapii)Abb. 1 Sprühflecken (Blumeriella jaapii) an Kirschen

Abb. 2 Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) der Kirschen (die grossen Blattflecken wurden vom Erreger der Schrotschusskrankheit verursacht)

Krankheitsbild

An der Blattoberseite erscheinen ab Mitte Mai rot-violette, rundliche, unscharf begrenzte Flecken mit einem maximalen Durchmesser von etwa 3 mm (Abb. 1 und 2). Die Flecken werden mit der Zeit braun und wachsen zusammen. Während Regenperioden wird auf der Blattunterseite ein rosafarbiger bis weisslicher, klebriger Belag, bestehend aus Sporen, sichtbar. Stark befallene Blätter vergilben und fallen frühzeitig ab. Fruchtstiele werden ebenfalls befallen, Früchte eher selten und nur bei sehr starkem Befall. Der vorzeitige Laubverlust beeinträchtigt das Reifen der Früchte, verzögert die Holzreife und die Entwicklung neuer Knospen. Im Folgejahr ist der Blütenansatz reduziert.

Pathogen

Blumeriella jaapii bildet auf der Blattunterseite Sporenlager (Acervuli) in denen Konidien (Abb. 3) auf Konidienträgern wachsen. Die Konidien sind 60-75 µm lang und 3µm breit, zweizellig, länglich, gekrümmt oder gewunden und am Ende zugespitzt (Ogawa et al. 1995).
Die Apothecien sind 0.2 bis 0.3 mm gross. Die Asci messen 50-60 x 12-14 µm. Die Ascosporen (30-50 x 3.5-4.5 µm) sind länglich-spindelförmig, leicht gekrümmt und befinden sich im oberen Teil der Asci. Die Ascosporen sind einzellig oder haben in der Mitte eine Trennwand (Septum).

Konidien von Blumeriella jaapiiAbb. 3 Konidien der Blumeriella jaapii

Lebenszyklus

Der Erreger der Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii) überwintert als Myzel in den im Sommer erkrankten und dann auf den Boden gefallenen, abgestorbenen Blättern. Im Frühling bildet er hier die sexuelle Hauptfruchtform: Apothecien mit den Asci und den Ascosporen.
Das überwinternde Pilzmyzel kann im Frühling auch Sporenlager mit Konidien bilden. Es ist allerdings nicht bekannt, ob diese Art von Überwinterung für die Epidemie wichtig ist (Ogawa et al. 1995).
Während oder kurz nach Regenperioden in der Zeit zwischen Ende Blüte und etwa sechs Wochen nach dem Blütenblattfall werden die Ascosporen aus den Asci geschleudert. Sie gelangen auf die Blätter der Kirsche, keimen bei günstigen Temperaturen und Feuchte innerhalb weniger Stunden und infizieren das Blatt durch die Spaltöffnungen. Die Flecken erscheinen 5 bis 15 Tage später, je nach Temperatur und Feuchte. Auf der Blattunterseite werden im Zentrum der Flecken Sporenlager gebildet mit vielen asexuell entstandenen Konidien. Diese werden mit Regenspritzern und der Luftströmung von Blatt zu Blatt verbreitet. Dieser Zyklus wiederholt sich mehrmals bis in den Herbst hinein.

Epidemiologie

Die optimale Temperatur für das Ausschleudern der Ascosporen aus den Asci liegt bei 16 bis 30 °C (Ogawa et al. 1995).
Für eine erfolgreiche Infektion des Blattes durch Ascosporen und Konidien ist eine feucht-warme Witterung nötig. Beide Sporenformen dringen über die Spaltöffnungen in das Blatt ein. Die Blätter sind bis sie sich entfalten resistent, vermutlich weil die Stomata bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig entwickelt sind. Die Anfälligkeit nimmt mit zunehmendem Alter ab. Sauerkirschen sind anfälliger als Süsskirschen.

Wirtsspektrum

Die Sprühfleckenkrankheit befällt vor allem Sauerkirschen (Weichsel) (Prunus cerasus L.) aber auch Süsskirschen (P. avium L.). Ausserdem werden auch mehrere andere kultivierte oder wilde Prunus-Arten befallen: zum Beispiel Felsenkirsche (P. mahaleb) oder die gewöhnliche Traubenkirsche (P. padi).

Bekämpfung

  • Wenig anfällige Kirschensorten wählen (link)
  • Ein vor der Blüte installierter Witterungsschutz kann die Sprühfleckenkrankheit eindämmen.
  • Eine lockere Baumkrone führt zu einer rascheren Abtrocknung der Blätter und damit zur Eindämmung der Krankheit.
  • Den Abbau des Laubes durch Mulchen fördern; dadurch kann erreicht werden, dass der Pilz nicht in der Obstanlage überwintert.
  • Eine direkte Bekämpfung mit Schwefel- oder Tonerde-Präparaten ist im Bio-Landbau / ökologischen Landbau erlaubt (FiBL, 2009).
  • Empfohlene und zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen die Sprühfleckenkrankheit finden sie für die Schweiz unter Agroscope und im BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis (Bundesamt für Landwirtschaft); für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit).

Literatur

FiBL Forschungsinstitut für biologischen Landbau, 2009. Merkblatt Pflanzenschutz im Biosteinobstanbau. (link)

Ogawa JM, Zehr EI, Bird GW, Ritchie DF, Uriu K, Uyemoto JK (editors), 1995. Compendium of stone fruit diseases. St. Paul, American Phytopathological Society: 98 S.