Blattbräune des Quittenbaumes

l’entomosporiose (franz.); fabraea leaf spot, quince leaf spot (engl.)

wissenschaftliche Namen: Diplocarpon mespili (Sorauer) B. Sutton (Hauptfruchtform); Entomosporium mespili (DC.) Sacc. (Nebenfruchtform)
Synonyme: Fabraea maculata (Lév.) G.F. Atk., Entomosporium maculatum Lév.

Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Dermateaceae

Die Blattbräune der Quitte wird durch den Pilz Diplocarpon mespili verursacht. Während eines regenreichen Jahres kann diese Krankheit Blätter und Früchte von Quitten befallen. Der Pilz überwintert in abgestorbenen Quittenblättern auf dem Boden und auf jungen Trieben. Die Primärinfektionen werden je nach Region von Ascosporen oder Konidien ausgelöst.

Quittenblattbräune (Diplocarpon mespili)Abb. 1. Blattbräune der Quitte, verursacht durch Diplocarpon mespili

Abb. 2. Quittenblattbräune (Diplocarpon mespili)

Krankheitsbild

Zuerst erscheinen auf beiden Blattseiten kleine, dunkelrote, kreisförmige Flecken, die sich vergrössern und zum Teil zusammenfliessen. Die ausgewachsenen Flecken sind dunkelbraun, haben aussen einen schmalen, dunkelroten Rand und sind scharf vom gesunden Gewebe abgegrenzt. In der Mitte des Blattflecks sind schwarze, punktförmige Sporenlager (Acervuli) sichtbar. Stark befallene Blätter vergilben und fallen vorzeitig ab.
Die Flecken auf den Früchten sehen ähnlich aus wie auf den Blättern, sind aber leicht eingesunken. Befallene Früchte weisen oft Risse auf und sind deformiert.
Gegen Ende Sommer können unscheinbare Flecken auf den neuen Trieben beobachtet werden. Diese entwickeln sich später zu oberflächlichen Geschwüren.

Konidien von Diplocarpon mespiliAbb. 3. Konidien von Diplocarpon mespili: vierzellig mit Fortsätzen

Pathogen

Die Acervuli (asexuelle Fruchtkörper) wachsen in der Mitte der Blattflecken, an Früchten sowie Trieben und enthalten die Konidien (Abb. 3). Diese sind 12-14 x 18-20 µm gross und haben vier Zellen mit je einem Fortsatz. In Wasser zerfallen die Konidien innerhalb einer Stunde. Jede der vier Zellen kann mehr als einen Keimschlauch bilden und neues Pflanzengewebe infizieren. Das Aussehen der Konidien erinnert an Insekten, deshalb der Name Entomosporium für die Nebenfruchtform.
Die Apothecien werden in überwinternden Blättern auf dem Boden gebildet. Die Asci enthalten acht keulenförmige, zweizellige Ascosporen.

Lebenszyklus

Diplocarpon mespili überwintert in abgestorbenen Quittenblättern auf dem Boden der Obstanlage. Im Frühjahr bildet der Pilz auf den Blättern Apothecien mit den Asci und Ascosporen. Letztere werden während Regenperioden aus den Asci geschleudert und lösen die Primärinfektion aus. D. mespili kann auch auf befallenen Trieben überwintern und im Frühling Konidien bilden, die ebenfalls Primärinfektionen auslösen. Welche der beiden Überwinterungsformen in Mitteleuropa vorherrscht ist nicht bekannt.
Zwei bis vier Wochen nach der Primärinfektion werden auf den sich entwickelnden Blattflecken Acervuli mit einer schleimig weissen Masse (Konidien) sichtbar (Van der Zwet und Stroo, 1985). Regen und Insekten verbreiten die Konidien auf neue Blätter, auf Triebe oder Früchte. Dort lösen sie neue Infektionen aus.

Wirtsspektrum

Häufigste Wirtspflanzen von D. mespili sind: Quitte (Cydonia oblonga) und Birne (Pyrus communis). Der Pilz kann auch Arten der Gattungen Cotoneaster, Crataegus, Malus (selten), Mespilus, Sorbus und andere befallen (Sutton et al. 2014).

Bekämpfung

  • Das befallene Laub im Herbst entfernen und vernichten. Nützt aber nur dort, wo im Frühjahr hauptsächlich Ascosporen die Primärinfektionen auslösen.
  • Ein Auslichten der Baumkrone bewirkt ein schnelleres Abtrocknen der Blätter und trägt zur Vorbeugung von Pilzkrankheiten bei.

Literatur

Sutton TB, Aldwinckle HS, Agnello AM and Walgenbach JF, 2014. Compendium of Apple and Pear Diseases and Pests. Second edition, St. Paul, Minn. The American Phytopathological Society, 218 p.

Van der Zwet T, Stroo HF, 1985. Effects of cultural conditions on sporulation, germination, and pathogenicity of Entomosporium maculatum. Phytopathology 75: 94-97.