Krankheiten und Schädlinge an Kern- und Steinobst

In der Schweiz werden auf einer Fläche von etwa 7'500 Hektaren Obstkulturen angebaut. Rund 70 % davon sind Apfelbäume. Birnen-, Aprikosen-, Kirschen- und Zwetschgenbäume machen den Rest aus. Etwa die Hälfte der geernteten Früchte wird frisch konsumiert, 40 % wird zu Most verarbeitet, 10 % geht in die Brennerei (landwirtschaft.ch).

Die Anforderungen der Händler, Verarbeiter und Konsumenten an die Qualität der Früchte sind enorm hoch. Es erstaunt deshalb nicht, dass in der Schweiz bei Kernobst die Anzahl Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln (rund 20 Interventionen) am höchsten ist, gefolgt von Reben (ca. 10), Kartoffeln (ca. 9) und Steinobst (ca. 7) (de Baan et al. 2015). Bei allen vier Kulturen sind es Pflanzenschutzmittel gegen Pilze (Fungizide), welche am häufigsten gespritzt werden.

Neben den erwünschten Wirkungen können die Pflanzenschutzmittel auch Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben. Ausserdem können sie die Umwelt gefährden oder haben einen negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt. Deshalb wollen viele Konsumenten und Politiker den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einschränken oder sogar ganz verbieten.
Es geht aber nicht alleine darum, die Menge an Pflanzenschutzmittel zu begrenzen, sondern es muss die Menge derjenigen Wirkstoffe reduziert werden, die aus Sicht der Umwelt als kritisch anzusehen sind. Besonders bedenkliche Wirkstoffe sollten grundsätzlich verboten oder gar nicht zugelassen werden: Darunter gehören schwer abbaubare, sich in Tieren und Pflanzen anreichernde (bioakkumulierende) und umweltgiftige Wirkstoffe. Beispiele sind hormonaktive, sowie krebserregende Pflanzenschutzmittel oder solche die das Erbgut schädigen.

Immer mehr werden in der Landwirtschaft, insbesondere im Obst- und Rebbau, auch natürliche Mittel wie Tonmineralien, Öle, Schwefel und Kalk eingesetzt. Bei der Bekämpfung von Schaderregern werden zunehmend auch alternative Methoden angewendet:

  • Es werden resistente Sorten angebaut (gegen Schorf und Mehltau).
  • Verwendung von schädlingsfreiem Pflanzmaterial
  • Durch kulturtechnische Massnahmen werden die Nützlinge geschont und gefördert.
  • Es stehen Prognosesysteme für die Schädlingsentwicklung zur Verfügung (sopra.info).
  • Die Bekämpfung eines Schädlings wird erst durchgeführt, wenn die Schadenschwelle überschritten wird.
  • Die Anwendung von biologischen Mitteln (Andermatt biocontrol) nimmt zu: Granuloseviren, Präparate aus Bacillus thuringiensis, Pflanzenextrakte (Quassan, Neem Azal-T/S, Pyrethrum)
  • Die Verwirrungstechnik mit einem natürlichen Duftstoff gegen den Apfel- oder Traubenwickler ist weit verbreitet (Andermatt Biocontrol).

Damit der Pflanzenschutzmitteleinsatz reduziert und optimiert werden kann, müssen die Anwender der Pflanzenschutzmittel über Krankheiten und Schädlinge der Kulturpflanzen gut informiert sein. Hier ist die landwirtschaftliche Ausbildung und Beratung gefordert.
Die Beschreibung von wichtigen Krankheiten und Schädlingen im Internet kann dazu einen Beitrag leisten. Auf den folgenden Seiten werden deshalb wichtige Schaderreger und deren Symptome vorgestellt. Ausserdem werden Möglichkeiten aufgezeigt, um die Krankheit oder den Schädling zu verhindern oder zu bekämpfen.

Literatur

de Baan L, Spycher S, Daniel O, 2015. Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz von 2009 bis 2012. Agrarforschung Schweiz 6 (2): 48–55